Kogge, Schwedenköpfe und Fischbrötchen vom Kutter: Am Alten Hafen bekommst du auf engstem Raum 800 Jahre Seefahrtsgeschichte – zehn Gehminuten vom Markt.

Wenn die Altstadt Wismars Wohnzimmer ist, dann ist der Alte Hafen die Haustür. Hier hat alles angefangen: Der Hafen wurde schon im frühen 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt – Jahre bevor die Stadt 1226 offiziell gegründet wurde. Erst kam der Handelsplatz, dann die Stadt.
Vom Markt sind es keine zehn Minuten zu Fuß. Und der Übergang ist abrupt: eben noch Giebelhäuser und Kopfsteinpflaster, dann plötzlich Wind, Möwen und der Geruch von geräuchertem Fisch.
Das auffälligste Schiff im Hafen ist auch das ungewöhnlichste. Die „Wissemara“ ist ein 32 Meter langer Nachbau einer mittelalterlichen Kogge – rekonstruiert nach einem Wrack, das vor der Insel Poel geborgen wurde. 2004 wurde sie getauft.
Das Besondere ist die Bauweise: Das Schiff entstand ausschließlich mit Werkzeugen, die auch im Mittelalter zur Verfügung standen. Keine Maschinen, keine Abkürzungen. Wer schon einmal daneben gestanden hat, bekommt eine Ahnung davon, was Hansekaufleute auf sich genommen haben, um Waren über die Ostsee zu bringen.
Die Kogge geht auch in See. Liegt sie im Hafen, kannst du sie in der Regel besichtigen – die Zeiten hängen von den Fahrten ab, ein Blick auf die Website der Poeler Kogge vor dem Besuch lohnt sich.
Direkt am Hafen steht das Baumhaus, ein Bau aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Name kommt von seiner ursprünglichen Funktion: Von hier aus wurde der Hafen nachts mit Baumstämmen gesperrt. Heute beherbergt es wechselnde Ausstellungen des Maritimen Traditionszentrums.
Davor stehen die beiden Schwedenköpfe – kräftig bemalte Büsten mit Löwenhelm, die an Wismars fast 200 Jahre unter schwedischer Herrschaft erinnern. Sie sind das meistfotografierte Motiv der Stadt und ein guter Ort, um kurz zu sortieren, was man an diesem Tag schon gesehen hat.
Der ehrlichste Teil des Hafens liegt an der Kaikante. Dort verkaufen Fischer frischen Fisch und Fischbrötchen direkt vom Kutter. Kein Restaurant, keine Reservierung.
Wismar sieht von der Wasserseite noch einmal anders aus. Die Adler-Schiffe bieten täglich einstündige Hafenrundfahrten an, die vom Alten Hafen ablegen. Du fährst an der modernen Werft vorbei – Wismar ist bis heute Schiffbaustandort – und bekommst einen Eindruck davon, wie groß der Hafen jenseits der historischen Kulisse tatsächlich ist.
Für Familien ist das oft der beste Programmpunkt des Tages: eine Stunde sitzen, gucken, Wind im Gesicht. Vom selben Hafen legen im Sommer auch Schiffe zu Tagesausflügen auf die Insel Poel ab.
Der Alte Hafen ist unkompliziert mit Kindern. Schiffe zum Anschauen, Wasser zum Gucken, genug Platz zum Laufen. Die Kogge kommt fast immer gut an, weil sie so gar nicht aussieht wie ein normales Schiff. Achte an der Kaikante auf die Kleinen – es gibt Abschnitte ohne Geländer.
Der Hafen ist am späten Nachmittag am schönsten, wenn die Sonne über dem Wasser steht und die Masten lange Schatten werfen. Ein Spaziergang bis ans Ende der Kaimauer, dann zurück in eines der Hafenrestaurants – das ist ein Abend, für den man nichts planen muss.
Für Kogge, Baumhaus und ein Fischbrötchen reichen ein bis zwei Stunden. Mit Hafenrundfahrt wird ein halber Tag daraus. Die beste Zeit ist Mai bis September, wenn Kutter und Rundfahrten regelmäßig fahren. Im Winter ist der Hafen leer und rau – für manche genau deshalb der schönere Besuch. Zieh eine Jacke mehr an, als du denkst: Am Wasser weht fast immer Wind.
Vom Markt erreichst du den Hafen zu Fuß in unter zehn Minuten, ohne Steigung und gut ausgeschildert. Der Hafen lässt sich perfekt an einen Altstadtrundgang hängen – erst Markt und Kirchen, dann hinunter ans Wasser.
Zwischen mittelalterlicher Kogge, Schwedenköpfen und Fischbrötchen vom Kutter bekommst du hier auf engstem Raum 800 Jahre Seefahrtsgeschichte – ohne Museumseintritt und ohne Führung. Nimm dir die Zeit, dich einfach ans Wasser zu setzen. Das ist hier der eigentliche Programmpunkt.
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